Entstanden ist das Oratorium aus der Überlegung von vier Aachener Theologiestudenten, welche Möglichkeit es gäbe, ihr Leben als Priester gemeinsam zu gestalten. In München stießen sie auf das Oratorium des heiligen Philipp Neri und waren fasziniert von den Möglichkeiten, die diese Lebensform für das gemeinsame Leben, Beten und Arbeiten bot. Sie beschäftigten sich intensiv mit den Ideen dieser Gemeinschaft und beschlossen, auch in Aachen ein Oratorium zu gründen.
Am
3. Oktober 1956 war es soweit. Der Bischof von Aachen hatte seine Zustimmung
gegeben und ihnen, nach Anfängen in einer Aachener Innenstadtpfarrei, eine
Pfarre im damaligen Hochschulerweiterungsgebiet übertragen, die Pfarrgemeinde
St. Sebastian.
Neben der Pfarrseelsorge in einer, später in mehreren Pfarren in Aachen, hatten einzelne Mitglieder auch andere Aufgaben: Schul-, Berufsschul- und Studentenseelsorge, Militärseelsorge, Aufgaben im Bereich der Ökumene, Jugend- und Altenarbeit. Die Bitte des Bischofs und die Fähigkeiten einzelner Mitglieder waren Anstoß, sich neuen Aufgabenfeldern zu öffnen. Die Gemeinschaft stärkte dem Einzelnen den Rücken und trug ihn in seinem Engagement.
Dies war auch der Fall, als einer der Mitbrüder in Amerika die Hospizbewegung kennen lernte. Als in Deutschland noch niemand über das Thema Hospiz nachdachte, erkannte Pfarrer Dr. Paul Türks die Not der Zeit. Immer wieder hatten nämlich auch junge Menschen im Altenheim, das die Gemeinschaft gegründet hatte, um Aufnahme gebeten, weil sie “austherapiert” waren und Zuhause nicht mehr gepflegt werden konnten. Mutig unterstützte die Gemeinschaft ihren Mitbruder darin, ein Haus für diese Menschen zu bauen. So wurde 1986 in Aachen das erste stationäre Hospiz in Deutschland eröffnet. Was damals Modellcharakter hatte, ist heute weit verbreitet.
1965 gingen drei Mitbrüder des Aachener Oratoriums nach Chile, um dort ein neues Oratorium zu gründen. Das Oratorium in Villa Alemana ist heute eine lebendige Gemeinschaft, die in der Chilenischen Kirchen eine bedeutende Stellung hat.